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Home - Nachrichten - 2012 - Wieder besetzt: Hamburgs tiefste Wissenschaftlerarbeitsplätze

Meldung, 09. Mai 2012

Wieder besetzt: Hamburgs tiefste Wissenschaftlerarbeitsplätze

European XFEL-Wissenschaftler beziehen ehemalige HERA-Halle

An einem von Hamburgs tiefsten Arbeitsplätzen wird seit einigen Tagen wieder gearbeitet: Drei Forscherteams, die sich auf den Start des neuen Röntgenlasers European XFEL vorbereiten, beziehen derzeit ihre Labors in einem ehemaligen Experimentiergebäude des im Sommer 2007 stillgelegten DESY-Teilchenbeschleunigers HERA. Weitere werden in den nächsten Wochen und Monaten folgen.

Der unterirdische Gebäudekomplex mit der Kurzbezeichnung HERA Süd liegt in unmittelbarer Nähe der Trabrennbahn Bahrenfeld und des Volksparks Altona und reicht über acht Stockwerke 25 Meter in die Tiefe. Das Zentrum der Anlage mit insgesamt 2 000 Quadratmeter Test- und Laborarbeitsfläche bildet die 15 Meter hohe und mehr als 1 000 Quadratmeter große ehemalige Experimentierhalle. Zudem verfügt das Gebäude über viele weitere Räume, die nun unter anderem als physikalische Labors genutzt werden.

Etwa 25 Naturwissenschaftler und Ingenieure aus Deutschland und zahlreichen weiteren Ländern, von denen viele in den letzten Monaten neu eigestellt wurden, werden in HERA Süd für die weltweit einzigartige Großforschungsanlage European XFEL arbeiten und damit Forschung und Entwicklung in der Metropolregion weiter stärken. Entwickelt und getestet werden unter anderem Bauteile zur Führung und Überwachung des Röntgenstrahls, Instrumente für die wissenschaftlichen Experimente am künftigen Röntgenlaser oder die Detektoren und die IT-Technik für die Datenaufnahme und -verarbeitung. Ihre Büros haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der derzeitigen European XFEL-Zentrale im etwa 500 Meter entfernt liegenden Albert-Einstein-Ring.

Der bislang leerstehende HERA Süd-Bau, in dessen Experimentierhalle früher der 3 600 Tonnen schwere ZEUS-Detektor stand, wurde European XFEL von DESY zur Nutzung überlassen. Zwölf Monate dauerten die Aufräum- und Umbauarbeiten, bei denen in der HERA-Halle auch mehr als dreihundert tonnenschwere Betonblöcke bewegt werden mussten.

„Die Arbeit hat sich gelohnt“, sagt Tobias Haas, der Leiter der Technischen Koordination bei European XFEL. „Die Halle bietet uns ein einzigartiges Arbeitsumfeld: eine hervorragende Infrastruktur, gleichmäßige und kontrollierbare Bedingungen sowie die Möglichkeit, erschütterungsfrei zu arbeiten“, erklärt Haas. Der 50-jährige Physiker muss es wissen, denn er war als Wissenschaftler am ZEUS-Detektor viele Jahre an Hamburgs vermutlich tiefstem Arbeitsplatz tätig.

Nach Fertigstellung des Röntgenlasers werden alle – dann etwa 250 – Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des European XFEL nach Schenefeld umziehen, dem neuen Sitz des Forschungsinstituts. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erhalten dann Labors über der Experimentierhalle, wo die über drei Kilometer lange Anlage des Röntgenlasers endet. Auf dem neuen Schenefelder Forschungscampus werden sie die neue Technik einbauen, die Experimente betreuen und auch selbst Forschung am Röntgenlaser betreiben. Die unterirdische Experimentierhalle ist derzeit im Bau, das darüber liegende Labor- und Bürogebäude soll 2015 fertig werden.

Über HERA

Die Hadron-Elektron-Ring-Anlage HERA war der größte Teilchenbeschleuniger bei DESY und zugleich Deutschlands größtes Forschungsinstrument: ein riesiges Super-Elektronenmikroskop, das den Physikern den weltweit schärfsten Blick ins Proton eröffnete. Der Beschleuniger selbst ist mittlerweile stillgelegt – doch die Datenauswertung der HERA-Experimente H1, ZEUS und HERMES läuft weiterhin. Am ZEUS-Detektor beobachteten die Forscher hochenergetische Zusammenstöße von Elektronen und Protonen, die Aufschluss über das Innenleben des Protons und die Grundkräfte der Natur geben.